März 12, 2019

Geschichtlicher Hintergrund

Die gesellschaftspolitische Situation nach dem Ersten Weltkrieg war
durch den katastrophalen Wohnungsmangel gekennzeichnet. Im Reich fehlten
Millionen, in Berlin Hunderttausendende Wohnungen. Viele Familien waren
in unzureichenden, ungesunden Wohnverhältnissen in Raumknappheit und
Belastungen vielfältiger Art untergebracht. Der Begriff des „Steinernen
Berlin“ charakterisiert das Fehlen von Frei- und Grünflächen auf den
Wohngrundstücken wie im Wohnumfeld.

Im Kaiserreich war die Herstellung von Wohnungen ausschließlich durch
Privatwirtschaft bestimmt. Der Staat förderte die Wohnungsversorgung
nur von Staatsbeamten aus der Verwaltung, dem Militär, der Bahn, der
Post u. ä.. Dies erfolgte zumeist durch Genossenschaften als Bauträger.
Kirchliche Einrichtungen und wohltätige Stiftungen von Privatpersonen
und humanitären Institutionen ergänzten dieses System. Allerdings
erreichte dies nur eine quantitativ geringe Wirkung, da durch
Industrialisierung und Urbanisierung seit dem letzten Drittel des 19.
Jahrhundert der Bedarf stark angewachsen war. Erst die im Laufe des
Ersten Weltkrieges eingeführten Heimstättenbewegungen für heimkehrende –
häufig invalide – Soldaten führte zu einer direkten finanziellen
Förderung des Staates in „letzter Minute“.